Bei der Weltmeisterschaft der International Winter Swimming Association im finnischen Oulu stand Anfang März nicht nur der sportliche Wettkampf im Mittelpunkt, sondern vor allem die Gemeinschaft. Das zeigte sich bereits bei der gemeinsamen Busanreise der zuvor in Schweden gestarteten Athletinnen und Athleten nach Oulu.

Rund 1.800 Athletinnen und Athleten aus etwa 50 Nationen kamen zusammen, um sich unter extremen Bedingungen zu messen. Geschwommen wurde auf zehn 25-Meter-Bahnen, die direkt in das Eis des Oulu-Flusses geschnitten waren. Bei Wassertemperaturen um minus 0,5 Grad wurde jeder Start zur Herausforderung.
Wobei die Schwimmer berichten, dass das ins Wasser steigen und schwimmen ganz gut ging, danach jedoch die Kälte, vor allem an den Händen, deutlich spürbar war. Nicht nur einmal wurde von tauben Fingerspitzen über mehrere Stunden berichtet.

Mit dabei waren auch drei Athletinnen aus dem Landkreis Miesbach: Franziska Partheymüller und Heidelinde Partheymüller, die für Bad Tölz starten, sowie Stefanie Palle aus Fischbachau.

Das weitläufige Wettkampfgelände mit Brücken und Inseln entwickelte sich schnell zu einem Treffpunkt der internationalen Szene und in der Stadt waren überall Schwimmer anzutreffen. In den verschiedenen Saunen – von klassisch finnisch bis hin zu Zelt- und einer Eissauna– (gebaut aus den Eisblöcken des  Wettkampfbeckens, das Eis war bis zu 70 cm dick) kamen die Athletinnen und Athleten ins Gespräch, unterstützten sich gegenseitig und teilten ihre Erfahrungen. Die Eröffnungsfeier und eine Einladung für die drei Athletinnen zum Empfang beim Bürgermeister mit 50 Schwimmern aus unterschiedlichen Ländern, und der Austausch über Ländergrenzen hinweg, machten die Veranstaltung zu mehr als nur einem Wettkampf.

Trotzdem kam der sportliche Charakter nicht zu kurz und alle drei konnten tolle Ergebnisse verbuchen:

Franziska Partheymüller zeigte vor allem auf den Bruststrecken starke Leistungen. Sie gewann die 100 Meter Brust in 1:28,97 Minuten, die 50 Meter Brust in 0:38,85 Minuten sowie die 25 Meter Brust in 0:18,23 Minuten und hat somit 3 WM Titel,– jeweils in ihrer Altersklasse. Über 50 Meter Freistil belegte sie Platz vier und verpasste Platz drei um lediglich 1 Hundertstel (0:31,43), über 25 Meter Delfin Rang fünf (0:16,89) und über 25 Meter Freistil ebenfalls Rang fünf (0:14,99). Im Superfinale der offenen Klasse erreichte sie über 50 Meter Brust Platz vier und stellte mit 0:38,80 Minuten einen neuen Altersklassen-Weltrekord auf. Auch über 50 Meter Freistil qualifizierte sie sich für das Superfinale (Platz 4).Bei den Superfinals waren viele Zuschauer und vor allem die Schwimmer auf der Zuschauertribüne und feuerten die Finalisten kräftig an. Das konnten sie gut gebrauchen, denn nach der kurzen Pause zwischen letztem Schwimmen und Finale, bildete sich bereits wieder eine dünne Eisschicht im Wettkampfbecken. Über 25 m Brust schwamm Franziska die schnellste Zeit der Frauen.

Heidelinde Partheymüller überzeugte besonders auf den längeren Bruststrecken. Trotz Wasser schlucken kam sie über die 100 Meter Brust in 1:47,40 Minuten auf den 2. Platz und sicherte sich den Vize WM Titel ihrer AK. Über die 200 Meter Brust, bei einer Wassertemperatur von -0,3 Grad gewann sie in 3:56,03 Minuten in ihrer Altersklasse den Weltmeistertitel. Hinzu kamen weitere Platzierungen: Rang fünf über 50 Meter Brust (0:48,20) und 25 Meter Brust (0:22,83), Rang 24 über 25 Meter Delfin (0:29,35) sowie Rang 15 über 25 Meter Freistil (0:19,92).

Stefanie Palle aus Fischbachau sicherte sich den ersten Platz über 25 Meter Delfin (0:18,32 Minuten). Zudem belegte sie Platz zwei über 50 Meter Freistil (0:39,51) und Platz 3 über 25 Meter Freistil (0:17,42). Über 50 Meter Brust (0:48,13) erreichte sie Rang vier, über 25 Meter Brust (0:22,92) Rang sechs – jeweils in ihrer Altersklasse. Trotz der extremen Bedingungen – eisiges Wasser, scharfkantige Beckenränder und hohe körperliche Belastung – blieb vor allem eines hängen: der besondere Zusammenhalt. Die Weltmeisterschaft in Oulu hat einmal mehr gezeigt, dass dieser Sport nicht nur von Leistung lebt, sondern vor allem von einer internationalen Gemeinschaft, die sich gegenseitig trägt.